Fertighaus

Die Geschichte des Fertighauses
Ein Fertighaus beschäftigt die Menschen seit Jahrtausenden. Auch wenn dieser heute geläufige Begriff „Fertighaus“ erst mit der Zeit entstanden ist. Bereits 1494 entwickelte Leonardo da Vinci mit seinem „Casa Multabile“, einem Gartenpavillon, das erste Haus, welches aus vorproduzierten Bauelementen zusammen gefügt wurde. Er gilt damit als Erfinder der Fertighaus-Bauweise.

Immer wieder faszinierte der Gedanke, ein Haus fix und fertig vorzuproduzieren und es auf dem Grundstück nur noch zusammenzusetzen. Gustav Lilienthal, der jüngere Bruder von Otto Lilienthal erfand so beispielsweise um 1900 seine „Terrast Häuser“. Allerdings stand hierbei der Zweck vor der Optik. Sie hatten noch keinerlei Designanspruch und gefielen nicht wirklich.

Doch knapp 20 Jahre später, nämlich 1919, gründete Walter Gropius das Bauhaus in Weimar. Die bekannteste deutsche Architektenschule. Noch heute gibt es die Bauhaus-Universität, in der neben zahlreichen bauwissenschaftlichen Disziplinen Kunst und Technik zusammengeführt werden. Die Philosophie von Walter Gropius war, den Grundkörper eines Hauses aus vorgefertigten Bauteilen zu entwickeln, um ihn dann jedoch noch zu variieren und kombinieren. Eine Art „Baukastensystem“, welches das Fertighaus zu einem höchst ökonomischen Produkt machte. Es wurden dabei Zeit für aufwendige Entwürfe und Produktionstechniken gespart, denn diese Arbeit musste nur einmal gemacht und konnte dann auf alle weiteren Varianten angewendet werden. Gleichzeit wurde den Gebäuden ein individuelles Gesicht verliehen. Der Bauhaus-Stil bezeichnet eine klare architektonische Formensprache, die auf das Wesentliche reduziert. Gemeinsam mit dem Architekten Konrad Wachsmann beschäftigte sich Walter Gropius mit der Weiterentwicklung der Maschinen, die für die industrielle Vorfertigung benötigt wurden. So stellten sie in den 1920er Jahren ihr in den USA entwickeltes „Packeged House System“ vor. Damals eine Revolution für den Fertigbau.

Auch Albert Einstein war eine berühmte Persönlichkeit, die ein Fertighaus besaß. Er ließ es von Konrad Wachsmann entwerfen und bauen. Seine Frau Elsa wollte zwar lieber ein aus Stein gemauertes Haus, aber davon ließ sich Albert Einstein nicht beirren. So entstand 1929 sein Fertighaus in Caputh bei Potsdam, welches die Familie als Sommerhaus und privaten Rückzugsort schätzte. Das Haus in Caputh gilt heute als eines der berühmtesten überhaupt, da sich in der Sommerresidenz so viele Nobelpreisträger wie sonst in keinem Privathaus aufgehalten haben.
In den 1950er Jahren hielt das Wirtschaftswunder Einzug und verlangte nach schnellem Wohnbau. Kleine Zimmereibetriebe, die bis dahin ihre Holzfertighäuser in Handarbeit errichteten, reagierten entsprechend und entwickelten sich zu industriellen Herstellern von Fertighäusern. Darauf folgte der Bauboom in den 1960ern und die hohe Nachfrage an kostengünstigern Häusern stieg rasant an. 1963 eröffnete die erste Fertighausausstellung in Quickborn bei Hamburg, die viele Besucher und Interessenten anzog. Ab sofort konnte man sogar über den Versandhandel Fertighäuser bestellen.
In den 1970ern bekam das Thema „Ölkrise“ eine Bedeutung, und die Menschen überlegten zum ersten Mal wie man in Zukunft damit umgehen könnte. Die aus überwiegend Holz bestehenden Fertighäuser überzeugten schon bald durch ihre von Haus aus gegebenen Qualitäten als Energiesparhäuser. Ohne, dass es bis dahin einer darauf abgesehen hatte. Allein der Werkstoff Holz mit seinen hervorragenden Dämmwerten reichte dafür aus.

Nach dem Mauerfall war die Nachfrage nach Fertighäusern in Ostdeutschland besonders hoch, denn ein jeder wünschte sich endlich ein eigenes Heim. Die bald folgende Energieeinsparverordnung lenkte und lenkt noch immer den Blick auf höchste Energieeffizienz. Bis heute verschärfen sich die Kriterien und die Anforderungen weiter. Die Rohstoffe werden knapper und somit auch teurer. Ziel ist es, Häuser zu bauen, die mit geringstem Energieverbrauch auskommen bis hin zum energieerzeugenden Plus-Energie-Haus. Diese Entwicklung ist unabwendbar und für die Umwelt ein wichtiger Schritt zur Erhaltung und zum Schutz. Natürlich ziehen auch die Bewohner ihre Vorteile aus daraus, denn sie haben so gut wie keine Heizkosten mehr. Beim Plus-Energie-Haus wird sogar mehr Energie erzeugt, als man selber verbraucht. Das macht ein gutes unabhängiges Gefühl.

Nicht nur der Anspruch an Funktionalität sondern auch der Anspruch an Architektur und Design sind heutzutage sehr ausgeprägt. Die meisten Fertighäuser sind Meisterstücke und es gleicht keineswegs mehr eines dem anderen. Diese Zeiten sind längst vorbei. Die intelligente und hochmoderne Vorfertigung verbindet technisch ausgeklügelte Produktionsmechanismen mit einem einzigartigen optischen Auftritt. Ansonsten wären die Projekte „Baukastensystem“ oder „Modulbauweise“ zum Scheitern verurteilt gewesen.

Die Geschichte und die Entwicklung des Fertighauses zeigen, dass sich nüchterne Wirtschaftlichkeit, spannende Architektur, Energieeffizienz und die Individualität des Einzelnen sehr wohl hervorragend miteinander kombinieren lassen. Fertighäuser sind heute keineswegs mehr Häuser von der Stange. Sie sind in Ihrer Energieeffizienz vorbildlich und entsprechen dem Zeitgeist. Heute und in Zukunft werden Fertighäuser weiterentwickelt, dem neuesten Stand der Technik angepasst und auf den Anspruch ihrer Bewohner ausgerichtet.

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